Hommage à Jacques Brel
Ich bin Jacques Brels Musik begegnet, als ich etwa zwanzig Jahre alt
war. Davor kannte ich nur einige wenige Stücke aus seinem Repertoire,
ohne aber zu wissen, wer deren Komponist sei: ich erinnere mich insbesondere
an eine wunderbare Instrumental-Version von Le moribond, die vom Radio
della Svizzera Italiana mit schöner Regelmässigkeit um die
Mittagszeit herum ausgestrahlt wurde und vermutlich von der Orchestra
Radiosa unter der Leitung von Maestro Robbiani aufgenommen worden war.
Als ich begonnen habe, mit Aufmerksamkeit das Repertoire des grossen
belgischen Liedermachers zu erforschen, habe ich aber - mit einer gewissen
Überraschung - entdeckt, dass mir einige seiner Werke teilweise
und auf eine besondere Art bekannt waren: die Atmosphäre seiner
Chansons hat die Musik von Fabrizio De André, Paolo Conte, Jannacci,
Gaber und anderer italienischer Autoren, die ich so sehr mochte, wesentlich
geprägt. Brel kennen zu lernen bedeutete demnach eine Reise zurück
zu den Ursprüngen des europäischen Chansons, eine Reise, die
mich zu Brassens, Trenet, Vian u.a.m. geführt hat und die den Ausgangspunkt
für die erste CD dieses Ensembles bildete ("Accordion Project",
MAP, 2003).
Als man innerhalb der Gruppe über ein neues Projekt nachzudenken
begann, enthielt unser Repertoire schon einige Stücke Brels, die
sowohl innerhalb des Ensembles als auch seitens des Publikums auf grosse
Zustimmung stiessen. Es schien uns daher naheliegend und selbstverständlich,
sein Werk noch mehr zu würdigen, und zwar auf eine musikalische
Art, die sich beim Erstlingswerk bewährt hatte, d.h. im Grenzbereich
zwischen Musette und Jazz, zwischen Charlie Parker und Edith Piaf. Nebst
Brels Melodien enthält diese CD mehrere Eigenkompositionen der
Mitglieder unseres Ensembles; der Zuhörer wird darin sicher Spuren
von Brels Musik entdecken können: auch in unserem Fall ist folglich
sein Einfluss spürbar.
Übersetzt von Riccardo Franchi